Unsere Geschichte
Ursprung
Die Fraternitas St. Ewaldus Schützengilde 1560 Düren e.V. führt – nach mehreren Anläufen zu einer Klärung – ihren belegbaren Ursprung auf das Jahr 1560 zurück.
Die Bürger selbst bildeten im Mittelalter die Streitmacht, um die eigene Stadt vor zahlreichen Angreifern zu verteidigen. Um in der Handhabung die notwendige Übung zu erlangen, schlossen sie sich bald in Schützengilden und Schützenbruderschaften zusammen. Sie wählten sich nach dem Vorbild der Zünfte einen Schutzheiligen und gaben sich eine Satzung.
Um Düren herum sind zahlreiche Schützengemeinschaften mit Gründungsdaten bereits im 15. Jahrhundert. In Düren erfolgte im Jahr 1542 eine Verwüstung einhergehend mit einem großen Brand, so dass man später nur rudimentär einen Nachweis für das Jahr 1543 aufgefunden hat und ein sicherer Nachweis mit dem Jahr 1560 besteht.
Die Buchsenschützen in Düren tauchen ab 1561 erstmals als Empfänger eines „Monatsgeldes“ der Stadt auf. Das heißt, die Stadt musste bereits 1560 bis 1561, einen Vertrag mit den Schützen abgeschlossen haben. Dieser Vertrag markiert erstmals die Organisation der Schützen. Dadurch wurde ihnen ebenfalls ein Übungsplatz zugewiesen. Dies war ein Graben vor den damaligen Stadtmauern, an der Stelle, wo heute die Schützenstraße in Düren sich befindet.
Eine ausführliche Darstellung zur Geschichtsforschung findet sich in der Festschrift der St. Ewaldus-Schützen-Gilde zum 400jährigen Bestehen im Jahr 1960.
Ältestes aufgefundenes Regelwerk der Gilde ist eine undatierte Tabula, welche zunächst aufgrund Anmerkungen aus einem Schriftstück im Jahr 1734 fälschlich auf das Jahr 1584 datiert worden war. Spätere Forschungen stellten fest, dass diese Tabula aus dem Jahr 1677 stammt und nur eine Abschrift eines früheren Regelwerkes der Schützen-Gilde zu Düren darstellt.
Aufgrund dieser inkorrekten Annahme wurde 1884 das 300- jährige Bestehen der Gilde gefeiert. Der damalige Oberbürgermeister Werners widersprach dem damals und erkannte korrekt, dass die Tabula jüngeren Ursprungs ist als die Schützen-Gilde selbst. Letztlich wird als Gründungszeitpunkt das Jahr 1560 genommen.
Nachdem die Schützengilde wegen Erweiterung der Stadtbauten den Schützengraben als Übungsgelände aufgeben mußten, erwarb die Gilde ein neues Terrain auf der anderen Rurseite, das damalige „Groß-Tivoli“, den späteren Stadtpark, heute benannt als Willy-Brandt-Park. Dort wurde von den Schützen eine große Schieß- und Festhalle (mit 100-Meter-Bahn) errichtet, welche in der Folge auch für die ersten Turnvereine der Stadt und im 1. Weltkrieg als Lazarett genutzt wurde.
1895 übertrug die Schützengilde das Eigentum an Groß-Tivoli an die Stadt Düren, behielt sich jedoch auf Lebenszeit des Vereines unabdingbare Rechte für das gesamte Terrain vor.
Nationalsozialistische Zeit
Nach der Machtübernahme durch Hitler wurden Sport- und Schützenvereine gleichgeschaltet. Das Führerprinzip griff bis in die kleinsten Organisationen. Alle Schützengesellschaften wurden im Deutschen Schützenverband und im NS- Reichsbund für Leibesübungen zusammengefasst. Der Schießsport wurde militärisch ausgerichtet. Neue Schießordnungen dienten der vormilitärischen Ausbildung der Jugend. Durch das taktische Vorgehen von dem damaligen Schützenmeister Dr. Josef Derichs konnte dennoch der bestehende Gilde-Vorstand das traditionelle Gefüge sowie die Eigenständigkeit des Vereins fast vollständig erhalten. Die Gilde musste ihre Schießstände jedoch erweitern und den NS- Organisationen, wie auch Polizei oder Hitlerjugend, deren Nutzung zum Teil überlassen.
1935 wurde eine neue Satzung vorgeschrieben, die religiöse Traditionen untersagte, wie zum Beispiel Prozessions- und Kirchengangteilnahmen. Mitglieder der Gilde umgingen dies zunächst durch ein „zufälliges“ Einreihen. Später wurde auch diese Praxis verboten. Die neue Satzung vom 01.04.1935 ersetzte den Schützenmeister durch den „Vereinsführer“ und den Vorstand durch „Beiräte“. Zweck des Vereins wurde nun „die leibliche und seelische Erziehung im Geiste des nationalsozialistischen Volksstaates“. Es wurden alle Dürener Schützenvereine unter der Ewaldus- Schützen-Gilde als Dachgesellschaft zusammengeführt und es sollte ein einheitliches Schützenfest abgehalten werden. Den ehemaligen selbständigen Schützenvereinen als „Kompanien“ wurde jedoch die Abhaltung eines jeweiligen eigenen Kompaniefestes zugestanden. 1936 wurden ebenso alte Traditionsvereine ohne aktiven Schießsport untersagt und aufgelöst.
Der Schießsport erlebte darin seine Hochphase durch Ligabetrieb, Wettkämpfe oder Presseberichterstattung. Die Gilde erreichte dabei mehrfach Stadt-, Kreis- oder Bezirksmeisterschaften. Daraus entstanden zahlreiche Titel, Pokale oder Kränze. Mit dem Beginn des zweiten Weltkriegs wurden viele Schützen eingezogen. 1939 fand noch ein Schützenfest statt. Mobilmachung und fortschreitende Einberufungen ließen das Vereinsleben zum Stillstand kommen.
Die Schützenhalle im Stadtpark (Groß-Tivoli) wurde gegen Ende des 2. Weltkrieges beschädigt und hiernach der noch wesentliche Bestand der Halle durch Abtragen der Steine für andere Nutzung endgültig vernichtet.
Nachkriegszeit
Nach dem Krieg fanden sich ältere Mitglieder zusammen und begannen die überlebenden Mitglieder zu suchen und zu erfassen. Man plante ein Treffen zur Wiederbegründung der Gilde. Am 04.07.1947 fand, mit alliierter Genehmigung, eine Versammlung im Kolpinghaus statt. Es wurde ein neuer Vorstand gewählt und ein Satzungsausschuss eingesetzt. Insgesamt 92 Mitglieder und vier Ehrenmitglieder lebten wieder in Düren. Noch war jedoch ein Schützenfest nicht möglich, aufgrund des Waffen- und Versammlungsverbotes.
1948 folgte die Anmeldung des Vereins beim Zentralverband der Historischen Deutschen Schützenbrüderschaften. Am 15.05.1949, fand erstmals wieder eine Jahreshauptversammlung im Stadtpark statt. Im Jahr 1950, konnte nach Lockerung des Waffen- und Versammlungsverbotes, erstmals wieder ein Schützenfest stattfinden.
Heute
Zwischenzeitlich hat die St.-Ewaldus-Schützen-Gilde angeschlossen an den heutigen Teuterhof im Willy-Brandt-Park einen funktionierenden Luftgewehrstand neu eingerichtet.
Zudem wurde in den 1980iger Jahren auf Umwegen ein Teil der ehemaligen Panzerkaserne erworben und dort ein 50-Meter-Kleinkaliber Schießstand aktiviert. In den 1990iger Jahren wurde auf dem Gelände ebenfalls neu ein 25-Meter-Schießstand der Gilde für Klein- und Großkaliber erbaut. Aufgrund von Änderungen ist das Eigentumsgelände der Schützengilde auf dem ehemaligen Gelände der Panzerkaserne derzeit nur über Düren-Stockheim zu erreichen – aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben.
Mitgliederentwicklung
Aus der Vollmacht vom 24. Juni 1862 geht hervor, dass es damals insgesamt 213 Gildemitglieder gab. Ebenfalls zeigt ein Verzeichnis von 1874, wie viele Mitglieder Düren verließen, aber dennoch die Verbindung zur Gilde beibehielten. Nach dem zweiten Weltkrieg waren noch 92 Gildemitglieder und vier Ehrenmitglieder wohnhaft in Düren. Im Jahr 1948 erhöhte sich der Mitgliederstand wieder auf 156. Nach dem Jahr 1950, stieg die Zahl der Schützen weiter, bis auf 350.
Auch die Jugendschützenabteilung erfreute sich großer Beliebtheit, wodurch die unter 25jährigen auf rund 70 Mitglieder kamen. Gleichzeitig stieg die allgemeine Anzahl der Mitglieder weiter auf 440 Personen. Seitdem wurden keine konkreten Zahlen mehr veröffentlicht.
Seit den 2000er Jahren nimmt die Zahl der Mitglieder stark ab. Neben dem Versterben von Altmitgliedern sorgten Geburtenrückgang, Wegzug der Vereinsjugend aus Düren, fehlende Identifikation mit traditionellen Vereinen und auch die (politische) Stigmatisierung jeglichen Kontakts mit Waffen, Militär o.ä. für fehlenden Nachwuchs in der St. Ewaldus-Schützen-Gilde.
Mit aktuell (Stand 2026) etwas über 80 Mitgliedern und davon über 40 aktiven Sport-Schützen wird eine neue aktive Ausrichtung begangen.